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Luzidität

Schlaflabore gibt es viele... In Mannheim befindet sich jedoch das einzige Schlaflabor Deutschlands mit Klartraumlabor.


Ein Tag im Klartraumlabor

Als Teilnehmer des Klartraum-Forums bekamen wir im Oktober 2004 eine Führung vom Schlaflabor-Mitarbeiter Daniel Erlacher angeboten.


Traumforschung: Im Klartraumlabor geht es nicht um Astralreisen, sondern um wissenschaftlich messbare Effekte der Traumforschung: Daniel untersucht für seine Doktorarbeit den motorischen Trainingseffekt von Träumen auf Sporttreibende; der Traumforscher Schredl, wissenschaftlicher Leiter des Schlaflabors, untersucht den Zusammenhang zwischen Wachleben und Trauminhalten. Hauptsächlich werden in dem Schlaflabor Schlafstörungen diagnostiziert und behandelt. Wie man sieht, wird Schlaf- und Traumforschung nur dort gefördert, wo man sich praxistaugliche Ergebnisse davon verspricht, und nicht nur aus rein philosophischem Interesse.


Führung: Die Klartraum-Forumsmitglieder durften sich die Räumlichkeiten und Geräte des einzigartigen Traumlabors ansehen, bekamen von Daniel alles erklärt und konnten Fragen stellen. Daniel hätte uns wohl am liebsten gleich da behalten zum Testen, wahrscheinlich waren noch nie soviele potentielle Versuchspersonen --wir waren ca. ein Dutzend Männer und Frauen-- gleichzeitig in diesem Labor.


Standardableitung: An dem "Elvisgesicht" sind die Kontakte aufbewahrt, die während eines Experiments am Kopf befestigt werden, um Augenbewegung (Elektrookulogramm, EOG), Gehirnaktivität (Elektroenzephalogramm, EEG) und Tonus der Körpermuskulatur (Elektromyogramm, EMG) zu messen. Zusätzlich werden Sensoren-Bänder um den Brustkorb gelegt, mit denen Atemfrequenz und der Herzschlag gemessen werden. Mit einem Lichtsensor an den Fingerkuppen wird der Sauerstoffgehalt des Blutes gemessen, der durch zu flaches Atmen sinken kann.
Diese Messungen nennt man in der Traumforschung Standardableitung.


Warum sind gerade diese Messungen für die Klartraumforschung interessant? Der niedrige Muskeltonus dient als Nachweis, dass der Klarträumer tatsächlich schläft; einem wachen Menschen wäre es kaum möglich, die völlige Entspannung zu simulieren, wie sie während der vom Gehirn aktivierten Schlaflähmung auftritt. Die Augen und die Atmung sind das einzige, was ein Klarträumender trotz Schlaflähmung noch bewusst ansteuern und bewegen kann; z.B. kann er Links-Rechts-Blickbewegungen machen oder die Luft anhalten. Somit sind Augen und Atmung messbare Kommunikationsmittel eines während des Traumes zu Bewusstsein gekommenen Oneironauten.


Kontakte: Die Kontakte sind die roten Saugstöpsel, am anderen Ende sind Stecker, die an das Aufzeichnungsgerät angeschlossen werden. Es gibt zwei Kontakte oben auf dem Kopf fürs Elektroenzephalogramm, je zwei an den Seiten der Augen für das Elektrookulogramm, zwei am Kinn für das Elektromyogramm, und je einen hinter den Ohren (als Gegenmesspunkt für die anderen). Mit von der Partie sind bei der Anbringung asiatische Glibbersalben zum Befestigen und als Leitermedium.


Steckbuchse: Alle Kabel werden über diesen zentralen "Hub" an den Computer im Nebenraum angeschlossen: Am Steckplatz vorne die Atembewegungssensoren, und an denen oben die einzelnen Kopfsensoren. In der ersten Nacht wird auch die Atmung an der Nase mit einem Temperatursender gemessen, und eventuell den Schlaf störende zyklische Beinbewegungen (RLS).


Versuchsperson: So ungefähr sieht die Verkabelung am Ende aus. Dies ist allerdings ein abphotographiertes Photo eines Schlaflaborpatienten von nebenan, und keine Versuchsperson des Traumlabors.


Schreiber: Dies ist der Schreiber, der die gemessenen Bewegungen und Werte als Kurven und Zacken auf Endlospapier schreibt. Das Traumlabor arbeitet jedoch heutzutage mit papierlosen Computeraufzeichnungen. (Unter Windows. Püh.) ;-)


Aufzeichnung: Da die Traumlaboraufzeichnungen nicht alle Zeilen benötigen, werden, um Papier zu sparen, auf ein Blatt zwei Aufzeichnungen gemacht, eine oben und eine unten. Ein ganzer Stapel enthält also die Aufzeichnungen zweier Nächte. Die manuelle Auswertung einer Nacht dauert zwei Stunden.
Es werden immer sechs Zeilen mit Ausschlägen aufgezeichnet. Die obersten zwei Zeilen zeigen die Gehirnaktivität (EEG), die mittleren zwei die Augenbewegung (Elektrookulogramm), und die unteren den Muskeltonus und den Herzschlag.


Obere Hälfte des Blattes: Man sieht auf diesem Bild, wie die Versuchsperson den Durchlauf der Aufgabe (Schritte zählen) vor dem Einschlafen noch mal im Wachen übt: Zuerst macht sie mit den Augen die Blickbewegung LR-LR, d.h. zweimal von links nach rechts gucken, sichtbar als die mittleren Zacken über der Beschriftung "LD". Direkt anschließend soll sie bis 10, dann bis 20, und dann bis 30 zählen, und dazwischen jeweils den LR-LR-Blick wiederholen; man sieht die auffälligen Zackengruppen in konstant wachsenden Abständen, gekennzeichnet durch "2", "3", bzw. "4".
Untere Hälfte des Blattes: Unten sieht man Standardmessungen vom Beginn der Nacht, wie z.B. Augenrollen im Wachen als Instrumententest.


Obere Hälfte des Blattes: So sieht die erste Schlafphase der Versuchsperson aus. Die Gehirnaktivität (oberste Zeilen) ist wirr, die Augen (mittlere Zeilen) bleiben unbewegt, der Muskeltonus ist entspannt (zweitunterste Zeile).


Obere Hälfte des Blattes: An dieser Stelle der Aufzeichnung beginnt die REM-Phase der Versuchsperson. Dies erkennt man an der strukturierteren Form des EEGs (oberste Zeilen) und den unregelmäßig auftauchenden Ausschlägen in den mittleren zwei Zeilen, die eine Augenbewegung anzeigen. Dies bedeutet, die Versuchsperson träumt jetzt und folgt irgendwelchen Traumerscheinungen mit ihren Blicken.


Klartraum: Das erwartete Signal des Träumers, die Augenbewegung LR-LR, wurde aufgezeichnet! Man erkennt den Doppelausschlag in den mittleren beiden Zeilen. Der Oneironaut ist jetzt klar, d.h., er ist zu Bewusstsein gekommen ohne aufzuwachen, und hat sich während des Träumens an die ihm gestellte Aufgabe erinnert, siebeneinhalb Stunden (900 Seiten = 450 Minuten) nach Beginn des Experiments.


Blicksignal: Hier sieht man ein weiteres Blicksignal aus dem Verlauf eines Experiments. Auch wenn es ein wenig schief wirkt, unterscheidet es sich doch sichtlich von den gewöhnlichen (zufälligen oder unbewussten) Blickbewegungen.


Falsches Erwachen? Das letzte Blicksignal jedes Experiments ist ein vierfaches LR-LR-LR-LR; es bedeutet, dass der Oneironaut glaubt, jetzt gleich aufzuwachen. Wenn der Versuchsleiter in diesem Moment merkt, dass die Kurven immer noch eindeutig den Schlaf der Versuchsperon anzeigen, weiß er, dass es sich um ein sogenanntes Falsches Erwachen handelt. D.h., die Versuchsperson hat nur geträumt, sie sei (womöglich im Bett im Labor liegend) aufgewacht. Das kommt öfter vor als man denkt, deswegen wird die Versuchsperson vorsichtshalber geweckt, da sie sonst den Traum und die Durchführung ihrer Aufgabe (hier Laufschritte zählen) vergisst.


Computeraufzeichnung: Die Computerversion des Papierausdrucks der Messungen. Mit dem sechsfachen Blicksignal LR-LR-LR-LR-LR-LR (sechs Zacken in der dritten und vierten Linie von oben) sagt der Oneironaut aus, dass er beschließt, die Durchführung des Experimentes zu unterbrechen und später zu wiederholen, weil er sich nicht mehr konzentrieren kann...

... z.B. weil er von etwas Unerwartetem im Traum abgelenkt wurde...


Im Klartraum-Forum könnt Ihr Klartraum-Techniken lernen und Erfahrungen austauschen. Auf der Klartraum-Webseite können sich Klarträumer für Traumforschungsexperimente anmelden. Außerdem könnt Ihr Euch Instruktionen für "Offline"-Experimente runterladen, die man zu Hause durchführen kann. Habt Ihr eine Offline-Aufgabe im Traum durchgeführt, füllt Ihr nach dem Aufwachen einen Fragebogen aus und sendet ihn via Webformular an den Experimentleiter. Auch Versuche, die scheinbar nicht das Ziel erreicht haben, sind dabei nützliche Ergebnisse, und sollten eingesandt werden.

Neugierig?

 
   
2008.08.26

http://www.ruthless.zathras.de/